Schlagwort: Poesie

  • Im Garten

    Das Blau über der roten Trauer

    der leeren Bank.

    Violette Seele, die sich in den Boden reibt.

    Das Sonnenlicht verkündet Schatten,

    die die Schreie der Kinder durchbrechen.

    Es ist der Mittag geweihter Wasser.

    Ich fühle unter mir Erde und Sterben.

    Die Schonung kurz oder lang vor dem Tod

    durch maligne Melanome.

    Der Himmel fällt aus im Boden niedergegangener Vögel,

    die vor den Katzen flüchten in den Balsam hoher Tannen,

    die sommers noch meinen Winter austreiben.

    Ich hänge meine Seele über den stachelnden Strauch

    wie zur Sichtbarmachung des unsichtbaren Leidens.

    Mein Schweigen fällt auf das Schreien.

    Mosaiken stützen das Grab des unbekannten Tieres.

    Kindheit weht um meine Wangen in Memoriam.

    Ich finde in mir seltene Erden, die weise sprechen und

    schwarze Schmetterlinge gebären.

    Die Hähne krähen zur vollen Stunde der Blätter.

    Die Verwitterung auf den Ästen, mein sterbender Trieb.

    Das Du ist vergangen in roten Schatten auf der Lichtung.

    Stückwerk des Erinnerns.

    Ich berühre mit kleinen, vorsichtigen Schritten

    die Sicht des Gartens auf die Dinge,

    sein Grün ruft mich wieder mit Hoffnung.

    Ich hülle mich in die Gewänder der Bäume.

    Mein Augapfel wie eine glatte Rinde.

    Efeu rankt in Gewissen und Gedächtnis von Celans Mohn.

    Das Alter liebt unter Tage.

    Verspätete Nachtigallen in Kirschblüten.

    Die Äste der Kirschen spielen mir Rosen.

    Der Winter noch in jedem Traum von Gestern hält seine Seile gestrafft.  

    Aus ihm fließt die Wärme der Zimmer in den Garten.

    Die Lebensbäume wie stumme Soldaten am Rande des Krieges.

    Meine Innenreichen, die Zedern durchkreuzen.

    Ich male mein Allein in den Sand, den die Vogelstimmen besticken.

    Die Angst vor dem erwarteten Tag.

    Ich fülle die Einsamkeit mit Noten einer unbekannten Melodie.

    Wildgänse überfliegen mein Reich der Schrift. Schrift. Schrift.

    Ich bin nicht allein. Die Fußspuren der Zeit.

    Meine Schmerzen aus Schattenblättern.

    Das Ende der filigrane, rote Punkt am Horizont bleibt weiter im Schnee aus Angst.

    Wir drehen uns im Kreis aus Wind unter Vogelschwärmen, die Zeichen fliegen.

    Mein Kind ist gewachsen am Saum.

    Meine Wörter wachsen am Stil des Gartens.

    Das Gras flüstert von anderen Ebenen, dazwischen verwaistes Laub

    des Vorjahres, das zu beten scheint um neues Rostrot.

    Im Meer des Gartens Sonne, Angst und Erde, Nacht, Verwesung und

    Leben von Frucht und Geburt.                                   

  • Erde des Erinnerns

    Die Klippen zur Angst grenzen an den Fluss

    und seine Sommerweiden.

    Ich verhalte mich still unter dem grünen Nebel des Wachstums des Gartens.

    Zungen aus Efeu, die mir über die Hände lecken wie satte Kälber.

    Zu meinen Füßen lagert der Tod des Winters.

    Warm und schweigsam.

    Die Reste überbordenden Laubes wie Magneten der Zeit.

    Ich finde den Gesang zwischen den jungen Trieben der weichen Äste.

    Immer noch steht die Birke in der Nähe meiner Kindheit.

    Junge Aprilschatten aus der Erde des Erinnerns,

    die das Alter formt.

    Wind. Schweigen. Wind

    für die Ankunft der Kraniche in blauen Bildern.

  • Venedig. Karneval

    Aus „Pfauenwasser. Gedichte“. Kerstin Fischer. Athena-Verlag, Oberhausen 2025