
Zehn Gedichte finden sich aus dem Nachlass von der 1948 verstorbenen Maria Lazar beisammengerückt in dem Lyrikband, den obendrein wunderbare Fotografien zieren, die die österreichisch-jüdische Schriftstellerin zeigen. Der Verleger und Germanist Albert C. Eibel hat ihn herausgegeben und mit einem wundervollen Nachwort versehen.
Die Gedichte sind von erstaunlicher poetischer Fülle getragen, so schlicht sie auch daherkommen mögen. Es war Maria Lazar wichtig, dass die Texte nach ihrem Tod veröffentlicht werden. Im ersten wendet sie sich an den Leser, das graue Etwas, unter der „Lampe Schimmer“, das jedem Schaffenden und jeder Schaffenden vorschwebt, das Undefinierbare, nicht Einschätzbare, das Geheimnis, Maria Lazar wird es zum „Kamerad“. Das ist es, was die Gedichte trächtig macht im besten Sinne: „und der Satz, den wir beide am meisten lieben,/ den hättest beinahe du selber geschrieben. //“ Daneben stehen dann die schönen und einfühlsamen Naturbetrachtungen in den Gedichten „Sommer“, „Klostergarten“ und „Wienerwald“. Die Verse sind bodensatt und prächtig wie Magnolien.
„vorüber gleiten an der Mauer / gleich Schatten einer längst vergessenen Trauer / die dunklen Nonnen.“ Alles liegt immer ein wenig in den Schalen der Metaphysik, als Hauch nur als Nuance, die für Pointiertheit sorgt: „noch einmal durch der Mücken Tanz / den einsamen Wacholder sehen / und Erlen, die geküsst im Wind / sich in das Blau des Äthers schmiegen, /“
Die Gedichte tauchen ein und schmachten nach dem Gold, das durch die Äste des Lebens glitzert. Dann wieder und auch darin überzeugen sie mit dem stillen Morbiden. So in dem Gedicht „Die schöne Stadt“: „Ich sehe in den Straßen meiner Vaterstadt / die Toten, die man mir ermordet hat. // Ich seh sie furchtbar deutlich, tagesklar / im Park, der meiner Kindheit Landschaft war. //“
Ein wunderbares, kleines lyrisches Kompendium liegt hier vor, was die Schriftstellerin, Pulizistin, Übersetzerin und Dramatikerin auch als eine herrliche Lyrikerin ausweist. Den Gedichten sind postum viele Leser und Leserinnen zu wünschen.
An meinen unbekannten Leser. Gedichte und Photographien. Maria Lazar, DVB Verlag, Wien 2023