Lauschgoldfisch / Brise Âme

Die Gedichte dieses Lyrikbandes sind wie an das Ufer wachsende Wellen einer Flut. Sie gehen vor, gehen zurück, um erneut die Noten über dem Meer zu sammeln, aus denen sich eine wunderbare Sprache bildet, mal Liebesgedicht, mal Hommage an den Fluss und das Salzige der See: „Eigentlich bist du auf Meer geeicht / Einmal hast du gewinkt mit dem Zaun / Pfahl aus welcher Weide auch  / Immer du ihn gerissen hattest jetzt /“.

Oftmals fließen die Gedichte in unerwartete Wendungen, die wie junge Knospen einer Kirschblüte im Frühling hervortreten. Die Texte scheinen zu spielen, verfangen sich, ufern, um sich gleich wieder abzulösen, weiterzutreiben, in atemberaubende Früchte von Wortspielbäumen: „Zwischen den Stühlen / Fegt das Meer / Übers Linoleum / Dein Ernst / Ist eine Regenwand /. Man kann sich nie sicher sein, nie lange aufhalten in einem der Bilder, schon wieder schlägt Franziska Beyer-Lallauret faszinierende Kapriolen. Die Impulsivität der Abfolgen ist enorm.  Als verjünge sich alles wieder und wieder im Dionysischen der maritimen Intimität. Großartig: „Hältst du im kühlen Bereich / Die grüne Strenge des Wassers aus /“.

Der Rhythmus der Gedichte hat etwas von einem schönen Sommerregen, der mal heftiger wird und sich dann wieder in Gleichmäßigkeit verfängt. Die Themen, der „Sommer“ etwa, das Meer und der Wassergeist „Undine“ gebärden sich in einer ungewöhnlichen Klarheit, die dieser talentierten Dichterin gelingt und die sich in unserer Phantasie wie ein kristalliner Atem abbildet: „Zwischen Türen und Angeln / Wo kleine Fische / Nicht leichtherzig schwimmen / Gingen läge da Wasser / Werfe ich Mohnstrahlen /“ oder „Schweigen hält / Das Meer zusammen /“.

Die Themen sind hingebungsvoll wie Morgenlicht. Gespiegelt wird dieses Licht in den herrlichen Aquarellen mit Fischen etwa und Algen von Friederike von Criegern, die dem Band beigegeben sind. Er liegt in einer zweisprachigen Ausgabe vor. Französisch und Deutsch. Wer beider Sprachen mächtig ist, kann Zeuge werden einer interkulturellen Korrespondenz, den die Übersetzung verzichtet darauf wortgetreu zu sein. Vielmehr sind es jeweils eigene , für sich stehende Schöpfungen, die hier einander gegenüberstehen, um in einander aufzugehen. „Lauschgoldfisch / Brise Âme“ ist auch deshalb ein alles in allem sprachliches Meisterwerk zu nennen, das noch Aufsehen erregen wird.  Jedenfalls wäre das dieser wunderbaren Dichterin mit einer ganz eigenen, eloquenten Handschrift zu wünschen. 

Ein einfühlsames und sehr gutes Nachwort von Sabine Göttel rundet den Band.  

    

Lauschgoldfisch / Brise Âme. Franziska Beyer-Lallauret, dr. ziethen verlag, Oschersleben 2025

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..