Autor: Mondsteinlicht

  • Am Ende des Schicksals

    Ich ziehe durch die Furchen deiner Gedanken,

    die schimmern wie blaue Sonnen.

    Mein Innenreich das schwebt unter dem Zirkuszelt aus Welt.

    Ich berühre die Lippen der Nacht, mit ihrem Blut aus Träumen,

    bis in das Licht des Morgens, in die Röte meines Gottes.

    Am Himmel weißer Flieder, in den Händen der Mutter,

    für süßes Hoffen und Goldstaub auf dem Regenbogen,

    der in Tauben auf meine Schultern fällt.

    Warmes Leiden, das in Freude fließt.

    Dann und wann Spuren,

    die durch die Jahresringe der Bäume fallen.

    Feine Muscheln, die Gebete bergen, die Meergesetze werden.

  • Ohne Titel

    Bleistift. Kerstin Fischer 2026

  • Die Nacht

    Die Nacht, ein schwarzer Rabe, der sein glänzendes Gefieder über die Stadt breitet. Ich gehe über den Milch und Honig versprechenden Asphalt meines tot geglaubten Zieles, mit schweren, belanglosen, späten Schritten. Die Dunkelheit wie eine Sterne speiende Schlange. Lange schon haben sich die Nähte des Horizontes gelöst. Sie verschlingen mich mit ihren dunklen Falten. Die Schwärze ist ein endloses Gefängnis. Ich breite meine Arme in die Endlosigkeit und finde dich im äußersten Winkel des Zweifels. Aber Gott, er sitzt im Schnee. Siehst du ihn nicht? Das Erkennen passiert winters, wenn alles schläft. Die Dornenkrone indes verloren in den Weiden. Das Leiden verloren in den Weiden. Die Lämmer kommen spät in diesem Jahr. Morgen gehen wir entlang dem Meer, in diamantene Frühe. Das Meer schluckt das Schluchzen der Welt.  

    Kerstin Fischer

                          

    Bleistift. Kerstin Fischer 2025

  • Peschiera del Garda

    Rosa blühen die Oleanderbäume in den Mincio. Der Weg ist müde vor Hitze, die in den Katakomben der Illusionen zerspringt. Wir laufen Gefahr, verschluckt zu werden, von der Vergangenheit, bis wir in einem Ristorante am Wasser rasten. Boote ziehen vorüber mit schönen Wasserfrauen in bunten Röcken. Ihre olivfarbene Haut schimmert über die blank geschrubbten Decks, mit den Männern am Steuer.  Der Fluss gärt vor Begehren und wir bestellen Kaffee. Die Macht des Südens fällt unter den Schatten der Marquise. Eine schwarze Katze läuft über die darunter verborgene Nacht. Nun gehen wir hinüber zum See, vorbei am Yachthafen und der Schwangerschaft seiner Reisen. Wir erreichen den vor blanken Steinen glühenden Strand und breiten unsere Laken darüber aus, als gelte es, die Steine zu verhüllen.

    Der See leckt mit seinen süßen, wilden Zungen das Ufer. Das Licht glasig – wie das Wimmern eines Kindes – fällt bis zurück in den Todestag des Gatten. Ein paar Meter weiter ein Angler, ohne Bestimmung. Sein herbes Gesicht nützt dem Tag. Wir tauchen in das vom Wind befruchtete Wasser und beginnen zu sterben, ein Leben lang. Unsere Ängste gelten dem Grund, den unsere Beine nun nicht mehr erreichen, aber das Seewasser hüllt uns in den Samt der Empfängnis. Wir werden zu unserer eigenen Wiedergeburt. Wir gehen an Land und schweigen in das Raunen der Ewigkeit, die die Sonne filtert. Morgen vielleicht …                                           

    Kerstin Fischer

  • Gedanken zu den Gedichten von Georg Trakl

    Das finstere Gepräge der Gedichte Georg Trakls, das das Morbide am Zügel führt, immer führt es auch ein Rinnsal voller Gold, das die Vergänglichkeit umschmeichelt. Der Schatten des Todes wird daraufhin weiß bei Trakl. Und das Böse fügt sich ein, in die Launen der Natur. Verwesung ist systemimmanent und muss nicht infrage gestellt werden. Die Schönheit wird zur Ader gelassen in Trakls Gedichten, bis sie ins Metaphysische ufert, das blau schimmert wie ein tröstender Engel, der Hoffnung spendet, die allerdings zum Fragment gerät. Der Mensch bleibt verloren im Verwelken seiner Zeit, aus der ihn Gott schließlich hebt. Das ist der tiefste Sinn in Trakls Gedichten, meines Erachtens.

    Kerstin Fischer

  • Sinken

    Der Nachtwind in den Kirschzweigen

    ist deine reine Schönheit,

    die im Samt der Blätter auf mich fällt.

    Sie hüllt meinen Herbst, mit dem feinen Porzellan des Todes.

    Langsam sinkt die weiße Feder in den Abgrund,

    sinkt und schwebt wie Schnee in Täler.

  • Der Wald

    Das Moosflüstern unter den bebenden Schritten. Das Sonnenlicht, das zwischen den Ästen austreibt, eine Rindenzeit lang. Der Geruch der Füchse liegt über dem verwitterten Stein. Mein Blick senkt sich in die Erde, durch die Schnecken rinnen wie Kamele durch die Wüste. Ich lege meine Hände in das grüne Blut der Bäume und ernte Saphire . In den Eicheln schlafen noch die Sagen der Mütter. Ein Kind reißt sich los , von der Hand des Gewesenen, als meine Füße Verwirrung in das niedergegangene Laub treiben. Der Nebel zieht seine weiße Weide über die Stämme aus Blut und Vergebung. Die feuchte Erde bricht ihr Schweigen über den Krieg. Pferde und Hunde nähern sich. Eine Jagdgesellschaft schneidet mit den Scherben ihres Fiebers durch die Stille. Dann wieder Ruhe und frischer Samen, der sich in den Boden senkt. Ich gebe meinen von Mohn dazu. Eine Spur nur für rotes Licht im Sommer, wenn ich dich auf fremder Reise wiederfinde, mit den Augen meines Geistes.

  • Aussicht

    In Herbst und Winter werde ich mich neben den Gedichten voraussichtlich mit Erzählungen beschäftigen. Fertiggestellt ist bereits die Erzählung „Der Tod, der ein Sommer war“. epubli. Privatdruck 2026, die demnächst erhältlich sein wird.

    Zurzeit arbeite ich an der Erzählung „Nadines Poesie“. Nadine ist Prostituierte und begegnet einem Schriftsteller, der sie mit den Gedichten von Baudelaire konfrontiert.

    Es geht voran …

  • Mandala

    Kerstin Fischer. Bleistift 2026

  • Am Meer

    Über dem Meer ist ein silberner Schatten, der mich begleitet, wenn mich die Gischt zur Königin macht. Ich sammle Muscheln wie Feigen von Bäumen. Die Schultern meiner Gedanken legen sich auf die Wellen, um ihre Kräfte zu entsenden. Der tote Seestern am Strand … Ich halte eine Grabrede. Sie fließt in den Wind, der den Möwen die linnenen Linien zieht, als ein weißes Schiff den Horizont zerbricht, im Augenaufschlag des Meeres.

    Ich fühle mit meinen nackten Füßen durch den Sand, fühle die gesunkenen Geschlechter. In eine vorüberschwimmende Flasche denke ich mir Gedichte, über die das Sonnenlicht seine weiten Flügel breitet. Hier und da leuchten die Wasserküsse der Fische, in das Morgenrot, das über die See mäandert. Das Künftige erscheint nun makellos. In den Dünen entdecke ich braune Körper, im Strandspiel. Ihre Rede naturbelassen. Ich wandere weiter. Welle um Welle, Zahn um Zahn, entlang der Endzeit, der Intrige des Weltgeschichte.

    Kerstin Fischer