Die Nacht

Die Nacht, ein schwarzer Rabe, der sein glänzendes Gefieder über die Stadt breitet. Ich gehe über den Milch und Honig versprechenden Asphalt meines tot geglaubten Zieles, mit schweren, belanglosen, späten Schritten. Die Dunkelheit wie eine Sterne speiende Schlange. Lange schon haben sich die Nähte des Horizontes gelöst. Sie verschlingen mich mit ihren dunklen Falten. Die Schwärze ist ein endloses Gefängnis. Ich breite meine Arme in die Endlosigkeit und finde dich im äußersten Winkel des Zweifels. Aber Gott, er sitzt im Schnee. Siehst du ihn nicht? Das Erkennen passiert winters, wenn alles schläft. Die Dornenkrone indes verloren in den Weiden. Das Leiden verloren in den Weiden. Die Lämmer kommen spät in diesem Jahr. Morgen gehen wir entlang dem Meer, in diamantene Frühe. Das Meer schluckt das Schluchzen der Welt.  

Kerstin Fischer

                      

Bleistift. Kerstin Fischer 2025

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