Peschiera del Garda

Rosa blühen die Oleanderbäume in den Mincio. Der Weg ist müde vor Hitze, die in den Katakomben der Illusionen zerspringt. Wir laufen Gefahr, verschluckt zu werden, von der Vergangenheit, bis wir in einem Ristorante am Wasser rasten. Boote ziehen vorüber mit schönen Wasserfrauen in bunten Röcken. Ihre olivfarbene Haut schimmert über die blank geschrubbten Decks, mit den Männern am Steuer.  Der Fluss gärt vor Begehren und wir bestellen Kaffee. Die Macht des Südens fällt unter den Schatten der Marquise. Eine schwarze Katze läuft über die darunter verborgene Nacht. Nun gehen wir hinüber zum See, vorbei am Yachthafen und der Schwangerschaft seiner Reisen. Wir erreichen den vor blanken Steinen glühenden Strand und breiten unsere Laken darüber aus, als gelte es, die Steine zu verhüllen.

Der See leckt mit seinen süßen, wilden Zungen das Ufer. Das Licht glasig – wie das Wimmern eines Kindes – fällt bis zurück in den Todestag des Gatten. Ein paar Meter weiter ein Angler, ohne Bestimmung. Sein herbes Gesicht nützt dem Tag. Wir tauchen in das vom Wind befruchtete Wasser und beginnen zu sterben, ein Leben lang. Unsere Ängste gelten dem Grund, den unsere Beine nun nicht mehr erreichen, aber das Seewasser hüllt uns in den Samt der Empfängnis. Wir werden zu unserer eigenen Wiedergeburt. Wir gehen an Land und schweigen in das Raunen der Ewigkeit, die die Sonne filtert. Morgen vielleicht …                                           

Kerstin Fischer

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