Gedanken zu den Gedichten von Yvan Goll

Die Gedichte von Yvan Goll, die er in den Jahren zwischen 1924 und 1950 schrieb, sind wie eine Hütte voller Gold. Vieles ist tief religiös, zittert in die Idee von Vollkommenheit. Geht man über die Weide seiner atemberaubenden Liebeslyrik, wird man von einer tief angelegten  Innigkeit überrascht, die aber gleichzeitig diamantene Unnahbarkeit des Gegenübers betont. Mit wahrer Meisterschaft hält Goll diesen Spagat aus und wohl nicht nur in seinen Versen, wie man versucht ist anzunehmen. Ähnlich ist immer auch der Tod Partner. Goll lässt ihn unbarmherzig knarren, durch das Bett seiner Notwendigkeit. Dann immer wieder Hiob und die Frage nach dem Leid, die die bedingungslose Liebe zu Gott zur Antwort erhält. Und da wo der Schatten ist, ist immer auch die Gruft der Überwindung, mit ihren Schmerzen aus süßen Wellen.

Golls Verse sind von tiefer Weisheit durchdrungen, deren Reinheit unbestechlich erscheint. Alles ist letztlich wahrhaftig an Gott gelehnt, das Filigrane des Gefühls ebenso wie das Burschikose des Schicksals. In geradezu magischen Perioden und Zirkeln innerhalb der Ideenlandschaft dieses ganz Großen unter den Dichtern wird dies offenbar. Er feiert die Liebe in seinen Versen, der der Tod Wunde ist, die sich erst in der Ewigkeit schließt.

Eine grandiose Dichtung, die nicht zuletzt durch ihre nährende Bildgewalt betört. Wahrhaft Poesie, die sich auch nach dem Lesegenuss weit in den Tag webt und ihn bezaubert.

„// Wie kommt´s daß die Sonne goldener rauscht

Wenn ich die Augen schließe

Und daß dein Blut gewaltiger in mir pulst

Wenn du Entrissene

Nur noch mit Nebelarmen mich mahnst?“

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